Hummel, Hummel – Mors, Mors (Deutsch)
Hummel, Hummel – Mors, Mors: Die Geschichte hinter dem Kürzel “MM”
Wer auf den Amateurfunkbändern in Telegrafie unterwegs ist, stolpert früher oder später über das Kürzel “MM”.
Offiziell steht es im Amateurfunk als Suffix (z.B. DG5CW/MM) für “Maritime Mobile”, also eine Seefunkstelle an Bord eines Schiffes. Doch wenn ein Funker, besonders einer von der Küste, sein QSO statt mit einer “73” mit einem “MM” beendet, hat das eine ganz andere, historisch tief verwurzelte Bedeutung.
Es ist der klassische norddeutsche Gruß: “Mors, Mors!”
Der genervte Wasserträger von Hamburg
Die Ursprünge dieses Funksignals führen uns zurück in das 19. Jahrhundert nach Hamburg, lange bevor die ersten Funkwellen gesendet wurden. Die Hauptfigur ist Johann Wilhelm Bentz (1787–1854), ein Hamburger Wasserträger.
Bevor es fließendes Wasser in den Häusern gab, schleppten Wasserträger wie Bentz eimerweise Trinkwasser in die Etagen der Hamburger Neustadt – ein knochenharter Job, der oft für schlechte Laune sorgte.
Warum “Hummel”?
Bentz zog in die Wohnung eines verstorbenen Stadt-Soldaten namens Daniel Christian Hummel. Dieser Soldat war bei den Straßenkindern sehr beliebt gewesen, da er ihnen oft Geschichten erzählte. Als nun der mürrische Bentz durch die Straßen zog, riefen ihm die Kinder den Namen des beliebten Vormieters hinterher, um ihn zu ärgern: “Hummel, Hummel!”
Die legendäre Antwort
Bentz, schwer beladen und genervt von dem Gespött, konnte die Kinder nicht verjagen. Stattdessen rief er ihnen im breiten Plattdeutsch seine Meinung entgegen:
“Klei mi an’n Mors!” (Auf Hochdeutsch: “Kratz/Leck mich am Hintern!”)
Im Laufe der Jahre schliff sich dieser Dialog ab. Aus dem langen Fluch wurde die verkürzte Antwort “Mors, Mors”. Daraus entstand der traditionelle Hamburger Schlachtruf: “Hummel, Hummel – Mors, Mors!”
Vom Kopfsteinpflaster auf die Kurzwelle
Wie fand dieser derbe Schnack nun den Weg in den weltweiten Funkverkehr?
Funker – besonders die Profis bei Küstenfunkstellen wie Norddeich Radio (DAN) oder Rügen Radio – lieben Effizienz. Im Morsecode (CW) zählt jedes Zeichen.
- Der Ausdruck “Mors, Mors” wäre viel zu lang und umständlich zu geben.
- Also reduzierten die Funker den Gruß auf die Anfangsbuchstaben: M M.
- Das rhythmische
-- --geht leicht von der Hand und hat einen hohen Wiedererkennungswert.
Wenn also heute eine Station am Ende eines QSOs “MM” gibt, ist das ein augenzwinkernder Gruß unter Eingeweihten. Es bedeutet so viel wie: “Norddeutsche Grüße (und du kannst mich mal gern haben… im freundschaftlichen Sinne!)”
Dieser kleine Exkurs in die Funkgeschichte zeigt, wie lokale Traditionen in der globalen Technik weiterleben.